Lipödem
Keine Modeerkrankung, sondern eine ernstzunehmende Diagnose
Das Lipödem rückt seit einigen Jahren zunehmend in den öffentlichen Fokus. Viele betroffene Frauen können heute erstmals Worte für Beschwerden finden, mit denen sie oft jahrelang allein waren. Und dennoch hält sich hartnäckig das Vorurteil, Lipödem sei eine „Modeerkrankung“ – ein Trend, der durch soziale Medien entstanden sei. Wir möchten zur Aufklärung beitragen, so dass Betroffene endlich die Hilfe bekommen, die sie so dringend benötigen.
Was ist ein Lipödem?
Das Lipödem ist eine chronische, fortschreitende Fettverteilungsstörung, die fast ausschließlich Frauen betrifft. Typisch für ein Lipödem sind:
- eine symmetrische Vermehrung von Fettgewebe an Beinen und/oder Armen
- Schmerzen, Druckempfindlichkeit und das Gefühl schwerer Beine
- eine deutliche Neigung zu Hämatomen (blaue Flecken)
- eine sichtbare Disproportion zwischen Ober- und Unterkörper
- Beschwerden, die trotz Sport, Ernährung und Gewichtsmanagement bestehen bleiben
Wichtig: Ein Lipödem hat nichts mit falscher Ernährung oder Übergewicht zu tun. Auch sehr schlanke Frauen können betroffen sein – und nicht jede übergewichtige Frau hat ein Lipödem.
Seit wann gibt es das Lipödem? Ein Blick in die Geschichte
Obwohl das Lipödem erst relativ spät medizinisch benannt wurde, existiert es vermutlich seit vielen Jahrhunderten.
Erste wissenschaftliche Beschreibung 1940
Die US-Ärzte Allen und Hines beschrieben das Lipödem im Jahr 1940 erstmals klar als eigenständiges Krankheitsbild. Seitdem ist es offiziell in der medizinischen Literatur verankert.
Hinweise aus der Kunstgeschichte
Schon lange vor der modernen Medizin zeigen antike Statuen, Gemälde und Skulpturen Körperformen, die wir heute optisch mit einem Lipödem in Verbindung bringen könnten: ein schlanker Oberkörper kombiniert mit ausgeprägten Hüften, Oberschenkeln und Beinen.
Auch wenn es sich natürlich nicht um medizinische Diagnosen handelt, machen diese Darstellungen eines deutlich: Körperformen, wie wir sie vom Lipödem kennen, sind keineswegs neu. Früher fehlte schlicht das medizinische Wissen, um Beschwerden richtig einzuordnen und entsprechende Therapien abzuleiten.
Warum wird das Lipödem heute häufiger diagnostiziert?
Viele fragen sich: „Warum hört man heute so viel von dieser Erkrankung, wenn es sie schon so lange gibt?“
Die Antwort ist eindeutig: Nicht das Lipödem ist häufiger geworden – sondern die Diagnosen werden endlich gestellt.
Dafür gibt es mehrere Gründe:
- bessere diagnostische Möglichkeiten
- mehr Aufklärung in der Bevölkerung
- zunehmende Sensibilisierung bei Ärztinnen und Ärzten
- Austausch von Betroffenen, insbesondere durch soziale Medien
- weniger Scham und mehr Mut, offen über Beschwerden zu sprechen
Behandlungsmöglichkeiten beim Lipödem
Eine Heilung gibt es derzeit nicht. Doch es stehen wirksame Therapien zur Verfügung, die Schmerzen lindern, Schwellungen reduzieren und die Lebensqualität deutlich verbessern können.
Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören:
- Kompressionstherapie mit maßgefertigten flachgestrickten Kompressionsversorgungen
- Manuelle Lymphdrainage
- Bewegungstherapie und lymphaktivierende Übungen
- Hautpflege, um das Gewebe gesund zu halten
- Liposuktion, insbesondere in fortgeschrittenen Stadien
- Ernährungsberatung, zur Unterstützung des Stoffwechsels
- Bewegungs- und Trainingsprogramme
Auch wenn die sogenannten „Lipzellen“ nur schwer oder gar nicht auf Ernährung und Sport reagieren, tun es die normalen Fettzellen durchaus. Schon diese Veränderungen können das Gewebe entlasten und Beschwerden wie Schmerzen oder Spannungsgefühle reduzieren. Wir wissen, wie belastend ein Lipödem sein kann – körperlich, aber auch emotional. Deshalb ist eine einfühlsame, respektvolle und zugleich fachlich fundierte Beratung ein wichtiger Teil jeder Therapie.
Das Lipödem ist keine Modeerscheinung
Auch wenn der Begriff erst 1940 geprägt wurde, ist die Erkrankung selbst deutlich älter – und definitiv keine Modeerscheinung. Für viele Frauen bedeutet die Diagnose endlich Klarheit. Und für uns als medizinisch beratende und unterstützende Fachstelle bedeutet sie Verantwortung: zuzuhören, ernst zu nehmen, zu begleiten und Wege zu mehr Lebensqualität aufzuzeigen.



